Bedingungslose Annahme und Gewaltfreie Führung
Kinder verstehen & annehmen, mit ihnen verbunden bleiben & sie verantwortlich führen. Damit sie zu Erwachsenen werden, die all dies sich selbst erfüllen können. Ein Kurs mit Videos, Beispiele, Übungen und Austausch.
Kommt dir das bekannt vor?
Mein Kind hört nicht.
Streit eskaliert immer wieder.
Ich werde lauter, als ich sein möchte.
Ich weiß nicht: begleiten oder eingreifen?
Der Alltag mit Kindern ist immer wieder eine Herausforderung: Erwachsene bewegen sich in dem Spannungsfeld aus Verantwortung übernehmen und entscheiden und Kinder befähigen, dies für sich selbst zu tun. Der Kurs beantwortet, warum und wie Erwachsene ihre Kinder führen und wie sie sich in Konflikten verhalten können.
Für wen ist der Kurs?
Für Erwachsene mit Kindern, Pädagog:innen und alle Interessierten. Also für alle, die Kinder im Alltag verbunden begleiten und ihnen in Konflikten klar, sicher und gewaltfrei Orientierung geben möchten.
Nach Abschluss des Kurses kannst du
- verstehen, was hinter Verhalten wie „nicht hören“ stecken kann. Wie entwickeln sich Kinder? Wie lernen Kinder? Was brauchen Kinder?
- deine eigene innere Haltung, aus der heraus du begleitest, entscheidest und führst, klar benennen und dich deinem Kind immer mehr bedingungslos zuwenden. Was will ich für und von (m)einem Kind?
- in Konflikten gewaltfrei führen: begleiten, orientieren und Grenzen setzen bzw. entscheiden und eingreifen, ohne die Verbindung zu dir oder zu dem Kind zu verlieren. Du weißt, warum Kinder dir folgen oder mitmachen sollten.
- das Orientierungs- und Entscheidungsmodell für Bedingungslose Annahme und Gewaltfreie Führung im Alltag anwenden – mit Übungen, Reflexionsfragen und deinem Praxisblatt. Du kennst die fünf Wege der Gewaltfreien Führung und kannst diese flexibel einsetzen.
- einordnen, wo bedürfnis- und bindungsorientierte Ansätze, Gewaltfreie Kommunikation und Mediation Orientierung geben und wo sie die Frage nach der Führung offenlassen – und wie das Modell diese Lücke schließt.
Der Kurs im wissenschaftlichen Kontext
Mehr über den Kurs lesen ↓Weniger anzeigen ↑
Über die vergangenen Jahrhunderte haben sich die Antworten auf die Fragen, was Kinder brauchen, was wir für und von unseren Kindern wollen und warum Kinder uns folgen bzw. mitmachen sollten, immer wieder verändert: von autoritären Strömungen, über anti-autoritäre bis hin zu bedürfnisorientierten Ansätzen. Gleich geblieben ist dabei das Spannungsfeld: Wann entscheiden Erwachsene für und über Kinder während diese wiederum Selbstführung, Verantwortungsübernahme und die Fähigkeit zur Gestaltung von Beziehungen entwickeln? Insbesondere in komplexen Situationen und Konflikten erhält diese Frage viel Gewicht. Vor dem Hintergrund der Kinderrechte der Vereinten Nationen und insbesondere des Rechts auf körperliche und emotionale Gewaltfreiheit kommt dieser Frage mehr und mehr Bedeutung zu. Nicht nur befinden sich Erwachsene im Spannungsfeld zwischen Entscheidungen treffen und Autonomie ermöglichen, sie befinden sich zusätzlich im Spannungsfeld wie sie gewaltfrei für und über Kinder entscheiden und diese Entscheidungen umsetzen und begleiten. Damit befinden sich Erwachsene mit ihren Kindern und in ihrem inneren permanent und immer wieder aufs Neue mit Konflikten konfrontiert.
Während autoritäre und anti-autoritäre Ansätze auf die Frage der emotionalen und körperlichen Gewaltfreiheit keine aktuellen Antworten mehr liefern, bieten beispielsweise bedürfnis- und beziehungsorientierte Ansätze, Bindungsforschung, gewaltfreie Kommunikation oder auch Mediation eine wichtige normative und kommunikative Orientierung. Gleichwohl lassen sie die Frage nach der Führung oft unbeantwortet:
• Bedürfnisorientiere Ansätze beantworten bisher nicht, wann und wie Erwachsene sich um ihre eigenen Bedürfnisse kümmern, was passiert, wenn mehrere Bedürfnisse parallel erfüllt werden wollen oder wie Erwachsene Entscheidungen treffen und umsetzen, die Kinder noch nicht für sich selbst treffen können.
• Bindungsorientierte Ansätze nehmen vor allem die Entwicklung von Bindung in den Fokus. Sie bieten wenig Orientierung für komplexe Entscheidungen, Konflikte und Führung.
• Gewaltfreie Kommunikation konzentriert sich vor allem auf kommunikative Situationen. Kinder sind jedoch erst sehr spät zu komplexer Kommunikation fähig. Zudem hilft es Erwachsenen wenig, ihre Kinder in komplexen Situationen um etwas zu bitten. Wie sich die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation vor allem in Führungssituationen asymmetrischer Beziehungen übertragen lässt, bleibt offen.
• Mediation bietet auch für komplexe Situationen ein strukturiertes Lösungsverfahren. Gleichzeitig sind Kinder, auch abhängig von Alter und Regulation, nicht jederzeit in der Lage, an solchen Gesprächen teilzunehmen oder für sich zu sprechen. Zudem sind Erwachsene in der Regel in einer Doppelrolle: Sie sind Konfliktbeteiligte und Mediator:in in einer Person. Auch Faktoren wie Zeit oder konkrete Situation/Umstände spielen hier eine einschränkende Rolle.
Daraus ergeben sich offene Fragestellungen: Wie entscheiden Erwachsene verantwortungsvoll und gewaltfrei für und über Kinder? Welche innere Haltung hilft bei dieser Entscheidung? Welche Möglichkeiten einer gewaltfreien Entscheidungsfindung stehen ihnen dabei zu Verfügung und wie wählen sie zwischen diese Möglichkeiten aus?
Ganz grundsätzlich also: Wie verhalten sich Erwachsene in Konflikten? Wie begleite ich mein Kind dabei, die Fähigkeiten zu entwickeln, die es eines Tages selbstständig nutzen kann?
Kinder wiederum brauchen Klarheit und Antworten auf Fragen wie:
Warum sollte ich jetzt tun, was meine Erwachsenen sagen? Warum sollte ich mich beeilen? Warum sollte ich grade jetzt etwas essen? Warum können Erwachsene über mich entscheiden?
All diese Fragen beantwortet dieser Kurs. Er basiert dabei auf wissenschaftlichen Studien und Forschung aus unterschiedlichen Disziplinen und vereint sie zu einem konsistenten pädagogischen Modell für Bedingungslose Annahme und Gewaltfreie Führung. Mehr zum wissenschaftlichen Hintergrund erfährst du hier: Anhang & Literatur
DIE KURSINHALTE IM DETAIL
Von den Grundgedanken zu den Modulen
Kinder sind Menschen wie jede:r Erwachsene (gleichwürdig) und Menschen in Entwicklung zugleich.
Verhalten entsteht in einem Geflecht aus Gefühlen, Bedürfnissen, Entwicklung, Erfahrung, Motivation, Beziehung und Situation. Verhalten ist Information und Ausgangspunkt für Verstehen.
Erwachsene sind Sparringspartner:innen für ihre Kinder. Keine Richter:innen, Schiedsrichter:innen oder reine Beobachtende. Sie trainieren mit ihren Kindern für den Ernstfall, wenn sie alleine im Ring stehen, mit angepassten, angemessenen und sicheren Herausforderungen.
→ Modul 1 · Verstehen und wahrnehmen
Grundlagen: Was ist ein Kind, was brauchen Kinder?
Wer ist dieses Kind, was braucht es und was kann es gerade?
Bedingungslose Annahme beschreibt eine innere Haltung und ist keine Wertung oder Zustimmung.
Gleichwürdigkeit gilt in beide Richtungen: Kinder und Erwachsene besitzen dieselbe Würde. Auch Bedürfnisse, Grenzen, Zeit und körperliche Integrität der Erwachsenen zählen. Bedingungslose Annahme bedeutet keine Selbstaufgabe.
→ Modul 2 · Verbunden bleiben
Bedingungslose Annahme als Basis: Wie Beziehung bleibt
Wie bleibt Beziehung bestehen, auch wenn Gefühle groß sind und Bedürfnisse offenbleiben?
Gewaltfreiheit meint die seelische und körperliche Unversehrtheit, während Erwachsene Entscheidungen treffen, umsetzen und ihrer Verantwortung gerecht werden – also Kinder führen.
Verantwortung folgt Fähigkeit: Der Kurs koppelt die Verantwortungsübergabe vom Erwachsenen an das Kind an die Entwicklung und Verantwortungsfähigkeit eines Kindes.
Das langfristige Ziel von erwachsener Begleitung ist Selbstführung, Selbstverantwortung und Beziehungsfähigkeit.
→ Modul 3 · Verantwortung und Schutz klären, bewusst handeln
Der Weg zur Entscheidung: Verantwortung folgt Fähigkeit
Wie treffen Erwachsene gewaltfrei Entscheidungen für, über und mit Kindern?
Selbstständigkeit schließt Hilfeholen ein: Selbstführung zeigt sich nicht darin, alles allein zu bewältigen. Die eigene Grenze zu erkennen, Unterstützung zu organisieren und Hilfe anzunehmen ist Kompetenz.
→ Modul 4 · Gemeinsam lernen
Gemeinsam lernen und Verantwortung weitergeben
Wie lernen Erwachsene von und durch Kinder – und wie übernimmt das Kind zunehmend selbst?
Urheberschaft
Die fünf Wege Gewaltfreier Führung sind ein von Teresa Grimm entwickeltes pädagogisches Orientierungsmodell innerhalb des Ansatzes „Bedingungslose Annahme und Gewaltfreie Führung“.
Die konkrete Systematik B0 bis B5, ihre Definitionen, Entscheidungslogik und Einbettung in das Zusammenspiel von Verantwortung, Schutz, Fähigkeit und Selbstführung wurden von Teresa Grimm entwickelt.
Modellentwicklung und Konzept: Teresa Grimm, 2026.
Empfohlene Quellenangabe: Grimm, Teresa (2026): Die fünf Wege Gewaltfreier Führung. Orientierungsmodell innerhalb des Ansatzes „Bedingungslose Annahme und Gewaltfreie Führung“ nach Teresa Grimm.